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1. Vorstellen der Institution
Die Hospitation von 20 Unterrichtseinheiten im Rahmen
des DaF-Methodik- Praktikums habe ich bei der Institution
„Blaise und Pascal“, DeutschAkademie,
Opernring 1/E 1010 in Wien absolviert. Diese bietet neben
herkömmlichen Deutschkursen zusätzlich Grammatik-
oder Konversationskurse an, in denen die Lerner
ihr Sprachwissen zusätzlich vertiefen können.
Außerdem besteht auch die Möglichkeit, so genannte
Integrationskurse zu besuchen.
Die Intensivkurse dauern jeweils 4 Wochen. Die Lerner
werden je nach ihrem Vorwissen in eine von den 12
verschiedenen Kursstufen, vom Anfänger zum
Fortgeschrittenen, eingestuft, wobei sie zwischen 4
Uhrzeiten, je nach dem wie es ihre Zeit erlaubt,
wählen können. Die Institution bemüht sich
außerdem, die Lerngruppen möglichst klein zu
halten, damit eine bessere und intensivere Arbeit gewährleistet
wird: Die Maximale Teilnehmerzahl beträgt
9 Lerner pro Gruppe. Weiters wird auf moderne
und kommunikative Lehrmethoden Wert gelegt; Die
Lehrkräfte sind ausschließlich Deutscher Muttersprache
und haben ein abgeschlossenes Universitätsdiplom,
deren Beschäftigung außer dem Unterrichten
auch eine intensive und persönliche Beratung
der Lerner mit einschließt. Von Vorteil ist auch
die zentrale Lage der Blaise und Pascal
Institution.
(Ich verdanke dieser Institution eine sehr lehrreiche
und intensive Zeit, in der ich viel dazugelernt habe,
nicht nur was meine spätere Lehrbahn betrifft, sondern
auch das Arbeiten und Organisieren in einer größeren
Institution. Das ganze Team stand mir stets sehr hilfsbereit
zur Verfügung und beantwortete meine Fragen bereitwillig
und ausführlich. Dafür möchte ich ihnen
meinen besonderen Dank aussprechen.)
2.Darstellung der Hospitationsstunden
Ich habe im Rahmen meines DaF- Praktikums 27 Stunden
- 20 in einem 2B Kurs und 7 in einem em 1 Kurs (Mittelstufe)
- jeweils von der selben Lehrkraft betreut, bei der Institution
Blaise und Pascal hospitiert. Aus diesen sollen nun 20
Unterrichtseinheiten (jeweils 3 volle Stunden mit 15 Minuten
Pause) näher dargestellt werden.
2.1.Die Lerngruppen
Die 2B Gruppe bestand aus 6 weiblichen und einem männlichen
Teilnehmer, die em1 Gruppe aus 8 Lernern, ebenfalls mit
einem einzigen männlichen Teilnehmer. (jeweils verschiedenen
Alters und Herkunft/ zwischen 27 und 40 Jahre alt/) ihrem
Alter nach jeweils Anfang bis Ende dreißig und verschiedener
Herkunft: China, die Slowakei, die Ukraine, Kroatien,
Russland, die Philippinen und Portugal. Der Großteil
von ihnen verfügt über einen universitären
Abschluss. Die meisten sind berufstätig, lediglich
zwei sind zu Hause beschäftigt. Dementsprechend unterschiedlich
ist das Sprachwissen der Lerner, der Umgang mit Sprache,
die sie in die Stunde mitnehmen.
Interaktion
In beiden Gruppen herrschte eine gute und ausgesprochen
positive Atmosphäre. Die Lerner gingen stets höflich
und freundlich miteinander um, hörten einander zu,
erkundigten sich gegenseitig nach dem Wohlbefinden, interessierten
sich für einander. Bei den Konversationen, die einen
Großteil der Unterrichtseinheiten einnahmen, achteten
sie darauf, dass jeder und jede gleichermaßen zu
Wort kam; die Beiträge wurden ohne Unterschied mit
Interesse, Toleranz und Respekt empfangen und auf diese
eingegangen. Bei Kleingruppen-arbeiten war jede(r) bereit,
mit jedem zu arbeiten, und Gedanken auszutauschen. Dabei
achteten sie darauf, dass sie möglichst nicht mit
einem Lerner oder Lernerin ihre Muttersprache eine Gruppe
zu bilden, um wirklich die Zielsprache zu benützen/
um maximal von der Zielsprache zu profitieren.
Die unterschiedlichen Herkunftsländer und- sprachen
wurden als eine Bereicherung
Aufgefasst, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen
den einzelnen Ländern, Kulturen und Sprachen stets
ausführlich behandelt. Auch die gegenseitige Bereitschaft
zu helfen sehr war groß .Hatte jemand Schwierigkeiten,
das richtige Wort oder die korrekte Konstruktion zu finden,
so wurde ihm oder ihr stets von den anderen TeilnehmerInnen
bereitwillig und behutsam geholfen. Auch bestand höchste
Disziplin was die Unterrichtssprache betrifft. Es wurde
hauptsächlich, auch unter Lernern derselben Muttersprache,
Deutsch gesprochen. Nur in seltenen Fällen wurde
aus Englisch und manchmal auf Französisch als Behelfsprachen
zurückgegriffen.
.
2.2.Die Lehrkraft
Die positive Atmosphäre ist zu einem beträchtlichen
Teil der Lehrkraft zuzurechnen.
Zu ihr hatte jeder Lerner eine sehr positive und vertrauensvolle
Beziehung. Sie wurde sowohl als Wissens- und Motivationsquelle,
als auch als Person von allen geschätzt und ernst
genommen. (So war jeder und jede bereit, auf die von der
Lehrkraft vorgeschlagene Themen einzugehen und sich ausführlich
zu ihnen zu äußern. So wurde jeder Unterricht
zu einem gemeinsamen Austausch an Wissen, Erfahrungen
und Gedanken, das sich sehr positiv auf die Lernmotivation
und –Fortschritt sich auszuwirken schien)
Jede Stunde begann mit einem kleinen persönlichen
Gespräch, in dem sich die Lehrkraft jeden einzeln
nach seinem oder ihrem gestrigen Tag, zum Wochenende,
zu seinem oder ihrem allgemeinen Wohlbefinden erkundigte.
Dank dieser Einführungsgespräche wurde sofort
eine sehr positive Atmosphäre geschaffen, die für
das Lernen von höchster Wichtigkeit ist. Jeder Teilnehmer
und jede Teilnehmerin wurde von der Lehrkraft mit dem
selben Respekt und Toleranz behandelt und seine Persönlichkeit
berücksichtigt.
Die aus den unterschiedlichen Herkunfstländern resultierende
Heterogeneität der Lerngruppe wurde von der Lehrkraft
sehr positiv aufgenommen worden und zu unterschiedlichen
Aktivitäten genützt worden. In jeder Stunde
kam es zu einem interkulturellen Austausch. Es ist auf
diese positive und vertrauensvolle Beziehung zwischen
Lehrkraft und Lernende, dass auch „heikle“
Themen, wie Ehe und Gesellschaft, die Emanzipation der
Frau u.s.w. von der Gruppe ohne Widerrede, ja mit Begeisterung
besprochen werden konnten. War die Beteiligung der Lerner
bei einigen Themen eher gering, so wurde das von der Lehrkraft
mit viel Einfühlungsvermögen erspürt und
das Thema gewechselt. Dieses rasche Wechseln des Themas
wurde der Lehrkraft durch ein flexibles Stundenbild ermöglicht,
welches genug Material für zahlreiche andere Aktivitäten
bot. Jede Unterrichtseinheit wurde so intensiv genützt.
2.3.Unterrichtssprache
Die Lehrkraft stammt aus Deutschland und lebt seit geraumer
Zeit in Österreich. Außer Deutsch beherrscht
sie Englisch und Französisch und verfügt auch
über Grundkenntnisse des Russischen.
In den Unterrichtsstunden sprach sie stets klar und deutlich,
in simplen, kurzen Sätzen und wiederholte viel. Bei
länger anhaltenden Schwierigkeiten der Lerner, ein
bestimmtes Wort zu verstehen oder den richtigen Ausdruck
zu finden, konnte die Lehrkraft auf ihre zahlreichen Behelfssprachen
zurückgreifen. Dies war allerdings nur in den seltensten
Fällen nötig. Wie oben schon erwähnt, bestanden
die Lerner auf strikte Einsprachigkeit in der Zielsprache
und ermahnten sich sogar gegenseitig, falls jemand zu
weit von der Zielsprache abgedriftet war. Meistens löste
die Lehrkraft die Situation so, dass sie schwierigere
Wörter mit Hilfe von Beispielsätzen umschrieb,
einige auf die Tafel zeichnete oder sogar pantomimisch
darstellte.
Bei den Konversationen übernahm die Lehrkraft die
Rolle der „Show-Leiterin“, in dem sie immer
wieder Fragen an die Lerner stellte und sich – auf
ausdrückliche Bitte der LernerInnen – am Gespräch
beteiligte. Trotzdem standen immer – außer
bei der Klärung von grammatikalischen Phänomenen
- die Lerner im Mittelpunkt des Unterrichtes. Die Zeit
wurde maximal dafür genutzt, letztere soviel wie
möglich sprechen zu lassen und sich als Lehrkraft
aus dem Mittelpunkt zurückzuziehen.
2.4. Korrekturverhalten
In den Stunden galt die Devise „Sprechen vor Schreiben“.
Schriftliche Aufgaben wurden auf zu Hause verlegt. Die
Lerner bekamen ihre Hausübungen von der Lehrkraft
verbessert zurück, es lag jedoch an ihnen, wie sei
mit den Korrekturen umgehen wollten. Eine gemeinsame Fehleranalyse
in der Gruppe fand nicht statt. Bei den mündlichen
Aktivitäten unterschied die Lehrkraft stets zwischen
rein kommunikativen Übungen und solchen, in denen
bestimmte grammatikalische Phänomene geübt werden
sollten. Bei ersterem hielt sie sich mit dem korrigieren
zurück, es wurden lediglich Aussprachefehler verbessert
- in dem der Redefluss manchmal auch unterbrochen wurde-
bei letzterem verbesserte sie sanft aber sofort. Fehler
und ihre richtige Variante wurden auf die Tafel geschrieben
und von den meisten Lernern in ihre Hefte notiert.
3. Stundenbilder der hospitierten Unterrichtseinheiten
3.1 Darstellung der ersten hospitierten Stunde vom 14.10.
2003
( Hier möchte ich festlegen, dass die Minutenwerte
lediglich Cirka-Werte darstellen und keinen Anspruch auf
vollkommene Genauigkeit erheben.)
Thema Zeit Lernziel LK Lerner Medium Sozialform
1. allgemeines Gespräch über das Befinden der
Lerner 10 Minuten Einstimmen auf die Stunde und auf die
Unterrichtssprache Fragen an die Lerner stellen, ihrerseits
Fragen beantworten. Fragen der Lehrkraft (LK) beantworten,
ihrerseits Fragen an die LK stellen Lehrer-LernerInnen-Gespräch
2. Vergleich der HÜ, über besondere Lern-schwierigkeiten
der LernerInnen sprechen 15 Minuten Probleme in Wortschatz
und Grammatik gemeinsam besprechen Besprechung von unbekannten
Wörtern, Vergleich der Antworten auf die Fragen,
auf individuelle Fragen eingehen, „wandelndes Wörterbuch“
Fragen an die LK stellen, ihre Antworten in der Gruppe
vergleichen Lehrbuch Tangram Lehrer-LernerInnen-Gespräch
3.Vorlesen des HÜ-Textes 5 Minuten Aussprache üben
Vorlesen des Textes auf Bitte der Lerner Still zuhören
Lehrbuch
4. Grammatik 25 MinutenPause:15 Minuten Erlernen zwei
neuer Präpositionen: statt und anstatt WH bzw. vorstellen
von den Präpositionen, WH von Dativ-und Genetivformen,
Illustrieren der Präpositionen durch Beispiele Fragen
an die LK, Notizen in die Hefte Tafel und Heft Eher Lehrerzentrierter
Unterricht
5. Grammatik üben 10 Minuten Zuvor vorgestellte Grammatik
mit Hilfe von Aktivitäten besser verstehen, integrieren
Aufgabenstellung erklären, stille Hilfestellung Aufgabe
individuell lösen Lehrbuch Individuell
6. Vergleichdes Lückentextes 20 Minuten Grammatik
im Kontext eingebunden besprechen Gemeinsam mit den Lernern
Regeln aufgrund der Aufgaben besprechen Ergebnisse der
Gruppe mitteilen, verbessern, Fragen klären Lehrbuch
Lehrer-LernerInnen-Interaktion
7. Konversation: Beruf der LernerInnen 20 Minuten Teilfertigkeit:
Sprechen „Talk-show“-Leiterin: Fragen an die
Lerner, Gespräch aufrechterhalten Fragen der LK beantworten,
ihrerseits Fragen an die anderen Lerner sowie an LK stellen
Konversation
8. Gespräch: Wie viel Kontakt habt Ihr zur deutschen
Sprache im Alltag? 15 Minuten Mehr über den Lernhintergrund
der Lerner erfahren Fragen an die LernerInnen Über
das eigene Lernen reflektieren Gespräch
9.Meta-reflexion über eigene Lernmethoden: Wie lerne
ich persönlich Deutsch? 25 Minuten Mehr über
die eigenen Lernstrategien reflektieren, mit anderen Herangehens-weisen
bekannt werden, neue Ideen bekommen Fragen und Ratschläge
an die Lerner Lerner teilen sich der Gruppe mit Gespräch
10. HÜ für die nächste Stunde besprechen
10 Minuten In der Stunde besprochene Grammatik zu Hause
in schriftlicher Form üben und so festigen Erklärung
der HÜ, etwaige Un-klarheiten klären Fragen
zur HÜ Lehrbuch
Beobachtung: Lehrkraft-LernerInnen-Interaktion
Vorherrschende Sozialform im Unterricht war die freie
Konversation: das Augenmerk lag auf dem freien Sprechen.
Dabei wurde stets darauf geachtet, dass jeder der TeilnehmerInnen
gleichermaßen zu Wort kam. Die Konversationen liefen
nach ähnlichem Muster ab: Die Lehrkraft (LK) stellt
ein Thema vor, zu dem die LernerInnen ihre Meinung mitteilen
sollen. Dabei werden sie von der LK stets beim Namen aufgerufen.
Die LK übernimmt die Rolle der „Talk-Show-Leiterin“
und zieht sich so weit wie möglich im Gespräch
zurück: Die LernerInnen sollen maximal zum reden
kommen. Dabei werden v. a. Aussprachefehler sofort korrigiert
und von dem jeweiligen LernerIn richtig wiederholt. Bei
den Konversationen findet ein Vergleich der verschiedenen
Herkünfte der LernerInnen statt. Diese fragen einander
danach, wie das besprochene Thema in den verschiedenen
Ländern gehandhabt wird und besprechen die Differenzen
und Gemeinsamkeiten. Die Konversation wird meist von der
Lehrkraft beendet und ein neues Thema angeschnitten.
3.2. Darstellung der zweiten hospitierten Stunde vom
21.10.2003
Thema Zeit Lernziel Lehrkraft Lerner Medium Sozialform
1.Einstieg: allgemeines Gespräch über das Wochenende
der LernerInnen 10 Minuten Einstimmen auf die Stunde und
auf die Zielsprache Fragen an die LernerInnen stellen
Über das Wochenende erzählen Konversation
2. Probleme im Beruf und in der Partnerschaft 20 Minuten
Gespräch als Vorbereitung und Vorentlastung auf das
kommende Kapitel im Lehrbuch Diskussion leiten, Fragen
an die Lerner stellen Fragen beantworten und stellen,
über einander mehr in Erfahrung bringen Konversation
3.Lerhbuch: Bildimpuls zum Thema Probleme im Beruf 15
Minuten Mit Hilfe des Bildimpulses Wortschatzerweiterung,
Vorentlastung Wandelndes Wörterbuch Vorwissen aktivieren,
neue Wörter ins Heft schreiben Lehrbuch Lehrer-LernerInnen
-Interaktion
4. Übung zum Bildimpuls 10 Minuten lesen, 10 Minuten
Besprechung Verständnis sichern Hilfestellung, anschließend
Besprechung Lerner beantworten ja/nein -Raster zum Bildimpuls
Lehrbuch Lerner, individuell
5. Hörverstehen zum Thema Probleme im Beruf 10 Minuten
(mit wiederholtem Anhören) Teilfertigkeit Hören
trainieren Lerner Hörbeispiel anhören lassen,
ev. Hilfestellung Lerner hören zuerst nur zu, beim
zweiten Mal machen sie sich Notizen CD zum Lehrbuch Lerner
individuell und dann in der Gruppe
6. Besprechung des Hörbeispiels Minuten 20, 15 Minuten
Pause Im Hörbeispiel vorkommende Wörter die
das allgemeine Verständnis verhindern könnten
und das Hörbeispiel besprechen Fragen an die Lerner
stellen, neue Vokabel an die Tafel schreiben Die Lerner
stellen Fragen, schreiben unbekannte Wörter in ihre
Hefte Tafel, Heft Lehrer-LernerInnen-Interaktion, eher
Lehrerzentriert
7. Grammatik: Fragepronomina 10 Minuten Die Lerner sollen
mit neuen Fragepronomina vertraut gemacht werden Den Lernern
die neuen Begriffe erklären, Form und Funktion Fragen
and die Lehrkraft stellen, Notizen ins Heft Heft Lehrer-Lerner-Interaktion,
eher Lehrerzentriert
8. Lesetext im Lehrbuch 10 Minuten ( mit anschließender
Besprechung) Die Lerner sollen die zuvor gelernten Fragepronomina
erkennen und im Text unterstreichen und sich so ihrer
Funktion, ihrer Stellung im Satz noch mehr bewusst werden
Hilfestellung Die Lerner lesen den Text still, besprechen
ihn mit Nachbarn Lehrbuch Lerner individuell, dann in
Zweier-Gruppen
9. Lückentext zum Thema Fragepronomina 15 Minuten
Die Lerner sollen die zuvor gelernten Fragepronomina selbständig
in einem Text einsetzten können Erklärung der
Aufgabe, anschließend Hilfestellung Lückentext
alleine oder zu zweit ausfüllen, Unklarheiten mit
Lehrkörper klären Lehrbuch Lerner individuell,
zu zweit
10. Rollenspiel: Psychologe und Patient 10 Minuten vorbereiten,
15 Minuten vorspielen Die Lerner sollen das in der Stunde
angeeignete Wissen und ihr Welt-, bzw. Vorwissen in einem
Dialog kreativ anwenden Erklärung der Aufgabe, Hilfestellung
Zu zwei t einen Dialog überlegen, später der
Klasse vorspielen Lerner in Zweier-Gruppen, dann im Plenum
11. HÜ erklären, dazu Aufbau des Lebenslaufes
i der Gruppe besprechen 20 Minuten Die Lerner sollen die
Form des Lebenslaufes wiederholen, um selbständig
eines verfassen zu können Die Form in der Klasse
wiederholen Vorwissen aktivieren Lehrbuch, Tafel, Heft
In der Gruppe
Beobachtungsaufgabe: Fehlerkorrektur
Fehler werden von der Lehrkraft stets sanft aber sofort
korrigiert, wobei der Redefluss manchmal unterbrochen
wird. Sie achtet dabei vor allem auf die Aussprache und
weniger auf grammatikalische Korrektheit. Auch wird von
ihr zwischen Aktivitäten, in denen reines Sprechen
geübt werden soll und jenen, in denen grammatikalische
Phänomene trainiert werden sollen, unterschieden.
Im ersteren Fall wird deutlich weniger verbessert und
erst nach der Konversation auf etwaige Fehler aufmerksam
gemacht. Diese werden von der Lehrkraft auf die Tafel,
von den LernerInnen in ihre Hefte notiert. Im letzteren
Fall werden Fehler von der Lehrkraft leise korrekt wiederholt
gesagt und von der jeweiligen Lerner oder Lernerin ihrerseits
wiederholt. ( Echoing).
Fehlerkorrektur erfolgt auch in der Form von Auto-Korrektur:
Die Lerner merken noch im Redefluss ihre Fehler und verbessern
sich sofort selber. Eine andere Art der Korrektur erfolgt
unter den Lernenden selber. Sie helfen einander aus, wobei
sie manchmal auf die Behelfssprachen Englisch und Russisch
zurückgreifen.
3.3. Darstellung der dritten hospitierten Stunde vom 23.10.2003
Thema Zeit Ziel Lehrkraft Lerner Medium Sozialform
1. Einstieg: Gespräch über den „Sinn des
Lebens“ 15 Minuten Die LernerInnen sollen möglichst
auf das Thema der Stunde eingestimmt werden Fragen an
die LernerInnen stellen Fragen beantworten und stellen
Konversation
2. Bildimpuls zum Thema „Gemeinsam statt Egoismus“
10 Minuten Die LernerInnen sollen über das Bild reflektieren
und ihre Ideen der Gruppe miteilen, freies Sprechen soll
geübt werden Wandelndes Wörterbuch, Diskussion
leiten Gedankenaustausch, neue Wörter ins Heft notieren
Bildimpuls im Buch, Tafel, Heft Konversation
3. Hörverstehen 20 Minuten ( bei jeder der 5 Sprecher
wird die CD von der Lehrkraft angehalten) Hörverstehen
soll trainiert werden Die 5 Sprecher einzeln besprechen,
Fragen an die LernerInnen stellen, Fragen beantworten,
Hörverstehen in der Gruppe vergleichen, etwaige Problemfelder
herausgreifen Notizen machen, zuerst mit Partner, dann
in der Gruppe vergleichen, neue Wörter ins Heft notieren
CD, Lehrbuch Individuell, zu zweit, dann in der Gruppe
4. Aufbereitung des Hörbeispiels 10 Minuten Schreibzeit,
20 Minuten Besprechungszeit15 Minuten Pause Die LernerInnen
sollen anhand des Hörbeispiels Dialoge verfassen
können Dialoge besprechen, Fehler aufschreiben und
besprechen Die LernerInnen sollen in Zweier-Gruppen einen
Dialog verfassen und in der Gruppe vorstellen. Die anderen
sollen sich während dem Vortrag Notizen zu den Fehlern
machen, nach jedem Dialog soll eine Fehlerkorrektur durch
die LernerInnen stattfinden. Die LernerInnen sollen eine
neue Art der Fehlerkorrektur erleben, bewusst langsamer
sprechen und aus gegenseitigen Fehlern lernen
5. Grammatik; WH vom Relativsatz und Tempora (Perfekt
und Präteritum) 20 Minuten Die in den vorher verfassten
Dialogen am häufigsten vorkommenden Fehler sollen
systematisch besprochen werden. Die LernerInnen sollen
befähigt werden, durch erneutes Bewusstmachen diese
in Zukunft leichter vermeiden zu können mit den Lernern
auf die häufigsten Fehler gemeinsam eingehen: Wie
sind diese möglicherweise entstanden? Wie könnten
sie vermieden werden? Über Fehler reflektieren, Notizen
machen Tafel, Heft Lehrkraft-LernerInnen-Interaktion
6. Tauschbörse: Was ist das? 10 Minuten Die LernerInnen
sollen mit dem Begriff „Tauschbörse“
vertraut gemacht werden und anschließend Vergleiche
mit dem eigenen Heimat anstellen Erklären des Begriffes,
Fragen an die Lerner ihre eigene Heimatländer betreffend
Weltwissen aktivieren, über eigenes Heimatland erzählen
Lehrbuch Konversation
7. Tauschbörse: Text im Lehrbuch lesen 10 Minuten
Leseverstehen soll geübt werden. Hilfestellung Die
LernerInnen sollen einen didaktisch-authentischen Text
lesen und dazu Fragen beantworten Lehrbuch, Heft Individuell
oder zu zweit, je nach Wunsch der LernerInnen
8. Besprechung der Aufgabe 20 Minuten Die LernerInnen
sollen etwaige, beim Leseverstehen aufgekommene Fehler,
Unklarheiten klären Fragen beantworten, auf Fehler
aufmerksam machen Die LernerInnen teilen ihre Ergebnisse
einander und der LK mit, erzählen über eigenes
Land Lehrbuch, Heft Lehrkraft- LernerInnen-Interaktion,
Konversation
9. Konversation: Tauschbörse: Welche Dienstleistungen
könnten Sie anbieten? 20 Minuten Freies Sprechen
soll trainiert werden Fragen an die LernerInnen stellen,
Konversation leiten Die Lerner denken über eigene
Möglichkeiten nach, erwägen verschiedene Lösungen,
teilen sich der Gruppe mit Konversation
Beobachtungsaufgabe: Sozialformen
In der Stunde wird auf Abwechslung der Aktivitäten
großer Wert gelegt: Es wird zuallererst mit einem
mündlichen Einstieg begonnen, der auf den im folgenden
zu behandelnden Kapitel im Lehrbuch einstimmen soll. Dann
wird ein Text im Lehrbuch gelesen oder ein Hörbeispiel
gemacht. Die LernerInnen arbeiten meistens individuell,
manchmal in Zweier oder Dreier-Gruppen: Die Wahl steht
den LernerInnen frei. Es folgt eine systematische Besprechung,
in der der Augenmerk auf grammatikalische Phänomene,
häufige Fehler der Gruppenmitglieder gerichtet wird.
Dann wird ein neuer Kapitel vorgestellt. Dieser wird anschließend
anhand von weiteren Lesetexten wieder gemeinsam erschlossen,
Funktion und Form von einem neuen Grammatikfeld im Kontext
analysiert. Dann wird dieser auch mündlich, mit Hilfe
von Rollenspielen oder in Form der freien Konversation
gefestigt.
So gibt es einen laufenden Wechsel mündlicher und
schriftlicher Aktivitäten, die für eine erhöhte
Aufmerksamkeit und Motivation der Lerner sorgen soll.
3.4. Darstellung 4. hospitierten Stunde vom 28.10.2003
Thema Zeit Ziel Lehrkraft Lerner Medium Sozialform
1. Einstieg; Wie war euer gestriger Tag ? 5 Minuten Die
LernerInnen sollen auf die Stunde eingestimmt werden,
es soll eine freundliche Atmosphäre geschaffen werden,
die die Lernaufnahme fördern soll Fragen an die Lernerinnen
Fragen der Lehrkraft beantworten, ihrerseits Fragen and
die Lehrkraft stellen Konversation
2. Lückentext zu „statt“ und „anstatt“
20 Minuten Die LernerInnen sollen gemeinsam die Regeln
zur Bildung und Verwendung von „statt“ und
„anstatt“ vom Text ableiten, Probleme klären
Die Lerner bei der Verbalisierung von Regeln helfen, Hilfestellung
leisten Die LernerInnen versuchen anhand des Textes die
Regeln zu „statt“ und „anstatt“
zu abzuleiten Lehrbuch Lehrkraft-LernerInnen-Austausch
3. Grammatik: „statt“ und „anstatt“
10 Minuten Die LernerInnen sollen die Bildung von „statt“
und „anstatt“ weiter festigen Hilfestellung
Die LernerInnen bilden je einen Satz mit „statt“
und mit „anstatt“ Heft individuell
4. Vergleich 15 Minuten Die LernerInnen sollen mit Hilfe
der Lehrkraft etwaige Fehler finden und Unklarheiten klären
Hilfestellung Die Lernerinnen lesen ihre Beispielsätze
vor. Diese werden in der Gruppe gemeinsam auf Fehler analysiert
Lehrkraft-LernerInnen-Interaktion
5. mündliche Aktivität zu „statt“
und „anstatt“ 20 Minuten Die LernerInnen sollen
die Verwendung von „statt“ und „anstatt“
im freien Sprechen festigen Hilfestellung Die LernerInnen
üben „statt“ und “anstatt“
anhand eines Beispieles im Lehrbuch Lehrbuch Lehrkraft-Lerner-Austausch
6. Umweltbewusstsein 20 Minuten Teilfertigkeit Sprechen
soll geübt werden Fragen stellen, Konversation leiten
Die LernerInnen lesen sich 5 verschiedene Äußerungen
zum Thema Umweltbewusstsein im Lehrbuch durch und teilen
ihre Meinung der Gruppe mit Lehrbuch Konversation
7. Umweltbewusstsein im Alltag 10 MinutenPause:15 Minuten
Themabestimmung Hilfestellung Die LernerInnen stimmen
ab, welches sie von den 5 vorgeschlagenen Themen genauer
besprechen wollen Lehrbuch
8. Biolebensmittel 10 Minuten Die Lerner sollen in diesem
Themabereich ihren Wortschatz erweitern Wandelndes Wörterbuch
Es erfolgt ein Brainstorming rund um das Thema Biolebensmittel
Tafel, Heft Lehrkraft-LernerInnen-Austausch
9. Biolebensmittel 15 Minuten Freies Sprechen soll geübt
werden Konversation leiten Die LernerInnen erzählen
über ihre Einstellung zu Biolebensmitteln und zu
Umweltbewusstsein allgemein. Wie gehen sie mit diesem
Thema in ihrem Alltag um? Konversation
10. Interkulturelles Lernen: Umweltbewusstsein in meinem
Land 10 Minuten Freies Sprechen soll geübt werden
Konversation leiten Die LernerInnen vergleichen, die in
Österreich herrschenden Regelungen mit denjenigen
ihrer eigenen Heimatländer und diskutieren darüber
in der Gruppe Konversation
11. Umweltschutz 10 Minuten Leseverstehen soll trainiert
werden Hilfestellung Die LernerInnen lesen einen längeren
Text zum Thema Umweltschutz durch und vergleichen ihn
mit den Ergebnissen der Diskussion Lehrbuch LernerInnen
individuell
12. Besprechung des Textes 20 Minuten Die LernerInnen
sollen anhand des Textes ihren Wortschatz erweitern Wandelndes
Wörterbuch, Text mit den LernerInnen besprechen Die
LernerInnen erfragen sich Wörter die sie nicht verstanden
haben und für das Verständnis des Textes für
unbedingt nötig erachten Lehrbuch, Heft Lehrkraft-LernerInnen-Interaktion
13. HÜ- Besprechung 5 Minuten Die Lerner sollen zum
Thema Umweltschutz in meinem Land einen schriftlichen
Text zu Hause verfassen HÜ erklären Siehe Ziel
Beobachtungsaufgabe: Interaktion der LernerInnen
In dieser Stunde war die vorherrschende Sozialform die
freie Konversation, die eine eingehende Beobachtung der
Interaktion der Lerner untereinander erlaubte. In der
Gruppe herrscht eine gute, auf gegenseitigen Respekt und
Toleranz basierende Atmosphäre. Bei den Diskussionen
sind sie alle offen und bereit, die im Lehrbuch vorgeschlagenen
Themen auf ihren Alltag zu beziehen und ihre Erfahrungen
der Gruppe mitzuteilen, Fragen zu stellen, Ratschläge
zu holen und zu geben. Dabei achten sie darauf, dass jeder
und jede gleichermaßen drankommt, dass niemand unterbrochen
oder nicht angehört wird. Sie gehen mit den unterschiedlichen
Sprachkönnen ihrer Kollegen respektvoll, rücksichtsvoll
und sehr geduldig um und helfen aus, wo sie können.
Auch versuchen sie diese implizit oder durch weitere Fragen
zum sprechen zu ermutigen und so moralisch zu unterstützen
und zu motivieren. Diese gegenseitigen Fehlerkorrekturen
werden von der Lehrkraft stets begrüßt
Was die unterschiedlichen Herkunftsländer der LernerInnen
betrifft, so werden diese als persönliche Bereicherung
aufgefasst. Alle zeigen lebendiges Interesse an anderen
Kulturen und Bräuchen. Daher werden diese bei fast
jedem Thema ausgiebig besprochen.
3.5. Darstellung der 5. hospitierten Stunde vom 30.10.2003
Thema Zeit Ziel Lehrkraft Lernende Medium Sozialform
1. Einstieg: Wie geht es Dir heute? 10 Minuten Die LernerInnen
sollen auf die Stunde eingestimmt werden, eine freundliche,
lernfördernde Atmosphäre soll hergestellt werden
Fragen an die LernerInnen stellen, Gespräch führen
Fragen beantworten, über das persönliche Befinden
erzählen Lehrkraft-Lerner-Gespräch
2. Verwendung von „also“ und „nämlich“
20 Minuten Die LernerInnen sollen mit der Verwendung von
„also und „nämlich“ vertraut gemacht
werden und so ihren Ausdruck verbessern Anhand von Satzbeispielen
die Verwendung von „also“ und „nämlich“
den LernerInnen erklären Notizen machen, Fragen stellen
Tafel, Heft Eher lehrkraftzentriert
3. Lückentext 10 Minuten Die LernerInnen sollen die
Verwendung von „also“ und „nämlich“
anhand eines Lückentextes üben und so mehr verstehen
Hilfestellung Ausfüllen des Lückentextes Lehrbuch
individuell
4. Meta-reflexion: Wie hilfreich finde ich Lückentexte
zum Erlernen von Grammatik? 10 Minuten Die LerneInnen
sollen ihre Meinung zu diesem Übungstyp äußern,
bzw. über ihre eigenen Lernstrategien und- präferenzen
nachdenken und ihnen bewusst werden Fragen an die Lerner
stellen, Tipps geben Erzählen über eigene Lernstrategien:
Wie lerne ich eine Fremdsprache? Lehrkraft-LernerInnen-Gespräch
5. Hörverstehen: Dialoge zum Thema des Lückentextes
10 Minuten Hörverstehen soll trainiert werden Hilfestellung,
auf die Bedürfnisse der LernerInnen eingehen, wie
oft sie das Hörbeispiel anhören möchten
Die LernerInnen vergleichen ihre Ergebnisse des Lückentextes
mit dem Hörbeispiel, korrigieren CD, Heft
6. Hörverstehen: Besprechung 20 Minuten Die LernerInnen
sollen dank der ausführlichen Besprechung des Hörbeispiels
ihren Fehlern bewusst werden, Unklarheiten klären
können Hilfestellung, auf die Fehler der Lernerinnen
eingehen, diese ausführlich besprechen Fragen stellen,
Notizen machen Heft Lehrkraft-Lerner-Gespräch
7. Dialoge vorlesen 10 Minuten Die LernerInnen sollen
die Dialoge vorlesen und so die Aussprache verbessern
Aussprachefehler verbessern, Dialoge vorlesen, aus den
eigenen Fehler und jenen der anderen LernerInnen lernen
Lehrbuch
8. Bewerbung 15 Minuten Die LernerInnen sollen mit dem
Texttyp „Bewerbung“ vertraut gemacht und befähigt
werden, eine solche selbständig verfassen zu können
Teilt den Lernern mit wie eine Bewerbung in Österreich
ausschauen soll, was es beinhalten soll Notizen machen
Lehrbuch, Tafel Frontalunterricht
9. interkulturelles Lernern: Wie schaut eine Bewerbung
in meinem Land aus? Welche Unterschiede gibt es zu Österreich?
10 Minuten Die LernerInnen sollen mit den Konventionen
anderer Länder vertraut gemacht werden, freies Sprechen
üben, in dem sie über ein ihnen bekanntes Thema
sprechen Fragen stellen. Konversation leiten Informationen
über eigenes Land geben Konversation
10. Lesen einer Bewerbung 10 Minuten lesen, 10 Minuten
besprechen Die LernerInnen sollen durch das analytische
Lesen einer didaktisch-authentischen Bewerbung befähigt
werden, selbständig eine solche verfassen zu können
Hilfestellung, anschließend Fragen der Lerner gemeinsam
besprechen Die LernerInnen lesen eine Bewerbung, überlegen
sich Fragen dazu Lehrbuch Individuell, dann in der Gruppe
11. HÜ 5 MinutenPause: 15 Minuten Die LernerInnen
sollen zu Hause eine Bewerbung in schriftlicher Form verfassen
HÜ erklären Notizen
12. Bildgeschichte zum Thema Partnerschaft 10 Minuten
Die LernerInnen sollen zur Bildgeschichte Hypothesen aufstellen,
mit einer Partnerin oder einem Partner besprechen Hilfestellung
Hypothesen zur Bildgeschichte aufstellen und in Partnerarbeit
einen kurzen Dialog schreiben Lehrbuch Partnerarbeit
13. Dialoge zur Bildgeschichte 15 Minuten Die LernerInnen
sollen ihre Dialoge zu zweit vorlesen und eventuelle Fehler
verbessern, neue Wörter, Ausdrucksformen dazulernen
Hilfestelllung, Ratschläge, Tipps den Lernern geben,
wie sie ihren Ausdruck verbessern könnten Vorlesen
und Notizen machen Tafel, heft LK-LenerInnen-Interaktion
14. Text zur Bildgeschichte 20 Minuten Milyen lesen?Die
LernerInnen sollen einen kurzen, authentischen Text lesen
und so den wahren Verlauf des Dialoges erfahren, Wortschatzerweiterung
Hilfestellung, „wandelndes Wörterbuch“
Text lesen und mit eigenen Hypothesen vergleichen, Wortschatzerweiterung
Lehrbuch, Heft
15. Rezeption der Geschichte: Warum habe ich die Geschichte
gemocht/nicht gemocht? 10 Minuten Die LernerInnen sollen
ihre Meinung zum Text äußern, die Wirkung des
Textes auf sich kommentieren, eigene Meinung ausdrücken
trainieren Gespräch leiten Eigene Meinung zum Text
ausdrücken, mit seiner Rezeption durch die anderen
Gruppenteilnehmer vergleichen Konversation
Beobachtungsaufgabe: Hörverstehen (HV)
In dieser Unterrichtseinheit fanden gleich zwei HV- Übungen
statt, was eine eingehende Beobachtung ermöglichte.
Vor jedem Hörbeispiel wurde der Ablauf den LernerInnen
von der Lehrkraft genau erklärt. Sie bat diese, am
Anfang ausschließlich zu zuhören und noch keine
Notizen zu machen. Sie sollen nicht versuchen, jedes einzelne
Wort zu verstehen, sondern den Text auf sich wirken lassen,
und einen Gesamtreindruck von dessem Inhalt und Botschaft
u. ä. gewinnen. Nach dem ersten mal Anhören
wurde das Hörbeispiel nur kurz und oberflächlich
besprochen und Wörter, die die Lerner als unbedingt
notwendig für das Verständnis erachteten, wurden
geklärt. Beim zweiten Anhören wurde die CD des
Öfteren angehalten, also in kleinen Abschnitten angehört,
um die Rezeption des Hörtextes zu verlangsamen, und
das Verständnis zu erleichtern und die Lernaufnahme
zu optimieren. Die LernerInnen machten sich Notizen zu
den W-Fragen( Wer mit wem, warum wo, wie, wann?) oder
erfüllten die vorher geklärten Aufgaben. Anschließend
fragte die LK, ob die LernerInnen es für notwendig
erachteten, das Hörbeispiel ein drittes Mal anzuhören.
Das war in keinem der Fälle notwendig. Nun wurden
die Ergebnisse in der Gruppe besprochen, Unklarheiten,
besondere Schwierigkeiten beim Verstehen gemeinsam erörtert.
Schwierige Wörter, die jedem Probleme bereitet haben,
wurden von der LK auf die Tafel und von den LernerInnen
in ihre Hefte geschrieben. Diese sollten ihnen bei der
Erfüllung der HÜ, die auf dem Hörbeispiel
basierte, erleichtern.
3.6. Nachbesprechung der Hospitation mit der Betreuungslehrerin
Nach 20 Stunden ausführliche Beobachtung der Stunden
wollte ich noch folgende Fragen mit meiner Betreuungslehrerin
besprechen.
1) Welche Schwerpunkte setzten Sie im Unterricht?
2) Wie korrigieren Sie Fehler und wann?
3) Welche Ratschläge können Sie mir vor meinen
eigenen 6 Unterrichtsstunden auf den Weg geben? Worauf
sollte ich besonders achten? Haben Sie spezielle Wünsche,
welche ich mit den LernerInnen behandeln sollte?
(1) Besonders viel Wert legt die Betreuungslehrerin auf
eine möglichst makellose Beherrschung der Grammatik.
Diese sollte, vor allem im Anfängerunterricht täglich
intensiv geübt werden, den Hauptteil also der Stunden
ausmachen. Der Unterricht sollte vor allem für die
mündliche Kommunikation genützt werden. Damit
aber der schriftliche Ausdruck nicht zu kurz kommt, sollten
regelmäßig schriftliche HÜ aufgegeben
werden, die dann die Lehrkraft einzusammeln und zu verbessern
hat. ( Eine gemeinsame Fehleranalyse in der Gruppe wurde
von der Betreuungslehrerin nicht erwähnt).
Neben der Beherrschung der Grammatik ist es für
die Betreuungslehrerin von höchster Wichtigkeit,
die LernerInnen zu befähigen, sich in Alltagssituationen
( z.B. auf der Strasse auf öffentlichen Verkehrsmitteln,
im Supermarkt, in öffentlichen Ämtern u.s.w.)
adequat ausdrücken zu können. Deshalb werden
solche Situationen, besonders im Anfängerunterricht,
oft simuliert und miteinander geübt. Davor sollte
die LK wichtige Ausdrücke mit den Lernern erschließen
und auf die Tafel schreiben. Dabei ist auf ein klares,
übersichtliches und korrektes Tafelbild –am
besten in zwei Farben – zu achten.
Die Frage, ob sie nach einer bestimmten Methode arbeitete,
verneinte die Betreuungslehrerin. Sie arbeite kommunikations-
und inhaltsorientiert, das heißt mit einem besonderem
Augenmerk auf die Teilfertigkeit Sprechen, auf die freie
Kommunikation im Unterricht und zwar von Anfang an: „Manche
LernerInnen kommen außerhalb des Unterrichts kaum
zum Sprechen in der Zielsprache.“ sagte sie. „Dieses
Defizit soll im Unterricht ausgeglichen werden.“
Hierfür sollte die LK stets für Themen und Anregungen
sorgen, die dem Erwartungs- und Erfahrungshorizont der
Lerner entsprechen, d.h. sie persönlich ansprechen,
ohne aufdringlich zu wirken. Die anderen Teilfertigkeiten
wie Hören, Lesen und Schreiben werden zwar auch berücksichtigt
und regelmäßig geübt, doch dienen diese
oft als Vorbereitung oder Vorentlastung auf das Sprechen.
Dennoch würde die Betreuungslehrerin ihren Unterricht
nicht mit der kommunikativen Methode gleichsetzen.
Sie betreut vor allem 2B sowie em1 Kurse, also Fortgeschrittene.
Ihr Unterrichtsmaterial bestehe hauptsächlich aus
dem Lehrbuch, Tangram für 2B und em1 für die
Mittelstufe. Für letztere nehme sie des Öfteren
Nachrichten als HV-Übungen auf, oder bespricht zur
Abwechslung Zeitungsartikel. Doch arbeite sie hauptsächlich
mit dem Lehrbuch, was auch auf die hohen Kopierkosten
und auf die eher sporadische Ausstattung des Kurszimmers
zurückzuführen sei. Lehrendem und LernerInnen
stehen lediglich 3 bis 4 kleine Tafeln und Tafelstifte,
sowie ein Kassettenrekorder oder CD - Player zur Verfügung.
Over-headfolien, Videos kommen als Abwechsung nicht n
Frage.
(2) Wie bereits aus den Schwerpunkten der Betreungslehrerin
erkennbar, legt sie viel Wert auf die Aussprache der LernerInnen.
Wie sie sagte, seien solche schwerwiegender für das
Gelingen der Kommunikationsintention als Grammatikfehler
und führten oft zu Kommunikationsschwierigkeiten
und Missverständnisse. Deshalb werden Fehler sofort
und von Anfang an korrigiert. Grammatikfehler werden bei
mündlichen Aktivitäten ebenfalls sanft aber
sofort korrigiert, vor allem wenn es sich um „Grundwissen“,
wie das richtige Konjugieren von Verben ( z.B. er möchtet
statt er möchte) handelt. Schriftliche Hausübungen
werden von der Betreuungslehrerin regelmäßig
eingesammelt, zu Hause verbessert und den LernerInnenn
zurückgegeben. Es liegt an ihnen, wie sie mit diesen
nachher umgehen. Eine Verbesserung verlange die Betreuungslehrerin
nicht und auch eine gemeinsame Fehleranalyse, in der die
Fehler der LernerInnen anonym besprochen werden und so
aus ihnen profitiert werden könnte, wurden von ihr
nicht erwähnt.
Auf meine Frage ob es denn besser sei, sich als Lehrkraft
während dem Sprechakt der LernerInnen Notizen zu
machen, diese mit ihnen anschließend in einer gemeinsamen
Fehleranalyse genauer zu durchgehen, um so die Unterbrechung
des Redeflusses zu vermeiden und die LernerInnen nicht
womöglich aus dem Konzept zu bringen, antwortete
die Betreuungslehrerin, dass gerade das Notizenmachen
der Lehrkraft die LernerInnenr oft verunsichere und sie
am freien Sprechen hindere. Deshalb finde sie das Notieren
von Fehler nicht ratsam. Daraus schloss ich, dass man
als Lehrkraft womöglich die LernerInnen selbst fragen
sollte, mit welcher Fehlerkorrektur sie am besten umgehen
können. Gemeinsam könnte dann ein Weg gefunden
werden, der für jedermann akzeptabel sei. Auf keinen
Fall sollten sich die LernerInnen durch die Korrekturen
eingschüchtert.
Hierbei möchte ich auf Gertrude Heyd verweisen die
zum Thema Korrigieren beim sprechen folgendes notierte:
(…) Der Sprachenunterricht braucht also unbedingt
eine ermutigende Atmosphäre. Er muß bemüht
sein, immer wieder Anlässe und Situationen zu schaffen
in denen die Lerner als möglichst autonome, kommunizierende,
ganze Personen handeln können und in denen sie ihre
eigenen Intentionen verwirklichen. (…) Im Unterricht
muß es also gerade beim Sprechen ein erkennbares
und sinnvolles Maß an Fehlertoleranz geben. ( meine
Betonung)
(3) Ein wichtiger Punkt ist die Unterrichtssprache: Diese
sollte von Anfang ausschließlich Deutsch sein. Die
LernerInnen sollten sofort einige Grundverben des Klassenzimmers
lernen, damit Arbeitsanweisungen verstanden werden könnten.
Weiters sei es wichtig, so die Betreuungslehrerin, langsam,
deutlich, in kurzen und simplen Sätzen zu sprechen.
Bei der Besprechung von Grammatik empfiehlt es sich, viel
zu betonen und zu wiederholen, das erleichtere die Aufnahme
und Festigung von Grammatikregeln und neuen Wendungen..
Obwohl die Unterrichtkommunikation möglichst auf
Deutsch stattfinden sollte, sind andere Fremdsprachen
nicht ganz ausgeschlossen. So haben die LernerInnen die
Möglichkeit sich gegenseitig auf Englisch, oder in
einer anderen Sprache, die mehrere Lerner teilen, auszuhelfen.
Meistens aber versucht die Betreuungslehrerin unbekannte
Wörter zu umschreiben, in einen Kontext zu setzten
und in besonders „hartnäckigen“ Fällen,
diese mimisch oder graphisch darzustellen.
Weitere Ratschläge betrafen die Zusammensetzung bei
Gruppenarbeiten. Es sollten bei jeder Aktivität die
Gruppen gewechselt werden, und dabei sollte es möglichst
vermieden werden, dass LernerInnen der gleichen Muttersprache
zusammenarbeiten. Außerdem sei darauf zu achten,
dass die LernerInnen gleichermaßen zum Reden kommen,
wobei die Persönlichkeit und die damit zusammenhängende
Kommunikationsbereitschaft selbstverständlich berücksichtigt
werden sollte. Es sollte jedoch nicht zu einer Einseitigkeit
der Beteiligung unter den Lernerinnen kommen. Vielmehr
sollte die Lehrkraft diese durch interessante Themen und
Fragen zum Reden motivieren, sie ermutigen und ihnen Selbstvertrauen
geben, sich trotz Fehler zu sprechen zu trauen. Eine positive,
angstfreie Atmosphäre sei zum Lernen unumgänglich
und sollte Hauptziel der Lehrkraft sein.
Was meine Unterrichtsstunden betrifft, so ließ
mir die Betreuungslehrerin vollkommen freie Hand. Ich
sollte lediglich darauf achten, dass die LernerInnen möglichst
viel zum Sprechen kommen und womöglich auch Grammatik
mit ihnen durchgenommen wird. Dies sei aber nicht unbedingt
erforderlich. Unterrichtsmethode und -material wolle sie
mir nicht vorgeben. Diese wären meine Entscheidung.
Im folgenden Kapitel soll die Vorbereitung und Durchführung
meiner 6 Unterrichtsstunden, die ich in 2 dreistündigen
Einheiten durchführte, näher dargestellt werden.
5.Selbständig durchgeführte Stunden
Im Rahmen meines DaF-Praktikums habe ich sechs Stunden,
d.h. zwei dreistündige Einheiten in einem em1 Kurs
unterrichtet. Von besonderem Vorteil war die Tatsache,
dass ich mit den LernerInnen dank den 20 Stunden an Hospitierung
– bereits bekannt, mit ihren Interessen, ihren Präferenzen
bei Aktivitäten gut vertraut war. Da erlaubte mir,
meine Unterrichtsstunden auf diese abzustimmen und sie
so die Stunden sozusagen mitgestalten zu lassen.
In den hospitierten Stundenhabe ich beobachtet, dass die
LernerInnen besonders gerne diskutieren, bestimmten Themen
argumentieren. Deshalb wollte ich ihnen meinerseits viel
spannendes Material bieten, die zu einer lebhaften Diskussion
herausfordern. Wie Heyd Gertrude betont sollten im Unterricht
„anregende und motivierende Impulse“ gegeben
werden, „die es den Lernern ermöglichen, gern
und aus eigener Initiative zu sprechen“
Gleichzeitig sollten die von mir behandelten Themen zusammenhängend
und in sich geschlossen sein, sodass sich - für die
LernerInnen erkennbar - am Ende ein Kreis schließe
und nicht der Eindruck von Zusammenhangslosigkeit oder
gar ein Gefühl der Verwirrung entstehe.
5.1. Persönliche Ziele:
Als Erstes wollte ich mir persönliche Ziele festlegen,
die ich mir Unterricht unbedingt vor Augen halten wollte.
Ich wollte als Unterrichtende in meinen Unterrichtsstunden:
- In der Gruppe eine gute, ermutigende Atmosphäre
und ein Gefühl des Dazugehörens schaffen.
- Inhalte wählen, die für die LernerInnen relevant
und interessant sind und sie möglichst den Unterricht
mitgestalten lassen.
- Bei den Aktivitäten die ganze Persönlichkeit
der LernerInnen einbeziehen und ihre Meinung berücksichtigen.
- Im Unterricht miteinander und voneinander lernen.
- Die unterschiedlichen Herkunftsländer der LernerInnen
berücksichtigen und interkulturell arbeiten (d.h.Vergleiche
anstellen, Unterschiede, Gemeinsamkeiten entdecken).
- Mich als Unterrichtende möglichst zurücknehmen
und als Hilfestellung und „wandelndes Wörterbuch“
agieren
- vor allem langsam, deutlich und in kurzen und simplen
Sätzen sprechen.
Mein Hauptziel war, den LernerInnen einen neuen, möglicherweise
ungewohnten Zugang zur Fremdsprache zeigen, ihre Interesse
für sprachliche Phänomene wecken und sie zum
selbständigen Lernen der Zielsprache durch aufmerksames
Lesen befähigen. Dabei hielt ich mich an keine didaktische
Methodik im Speziellen; Anregungen holte ich mir u.a.
aus den ÖDaF-Mitteilungen zum Thema „Literatur
im Fremdsprachenunterricht“ von Hans-Jürgen
Krumm (2000).
5.2.Unterrichtsmaterialien
Wie aus den obigen Zielen erkennbar, wollte ich mich in
meinen Unterrichtsstunden nicht ausschließlich mit
dem Lehrbuch arbeiten, sondern es mit anderem, neuem Material
kombinieren. Ich halte die Abwechslung von Unterlagen,
Arbeitsvorlagen im Unterricht für wichtig, nicht
nur um die Motivation der LernerInnen zu behalten, sondern
auch um sie dazu zu befähigen, auch mit anderen als
bloß didaktisch-authentischen Texten zurechtzukommen.
Deshalb beschloss ich in den Stunden hauptsächlich
Teile Christine Nöstlingers Gretchen Sackmeier zu
den Themen „Familie“ in der ersten Stunde
und „ Essen“ in der zweiten Stunde lesen und
dieses eventuell mit Kapiteln aus dem Lehrbuch zu de selben
Themen kombinieren.
4.3 Warum Literatur im DaF-Unterricht?
Die Stellung von Literatur im Fremdsprachenunterricht
wird bis heute sehr unterschiedlich bewertet, ihre vielseitigen
Vorteile oft unterschätzt. Hans-Jürgen Krumm
in seinem Beitrag zu den ÖdaF-Mitteilungen unterstreicht
die „emotionalen, kreativ-ästhetischen und
die sozio-kulturellen Dimensionen des Sprachenlernens“
und betont die essentielle Rolle von literarischen Texten
im DaF-Unterricht „nicht nur als Motivationselemente
(…) sondern als zentrale Bestandteile bereits in
frühen Stadien des Fremdsprachenunterrichts.“
Auch Buttaroni und Knapp weisen darauf hin, dass „für
das Verstehen sprachlicher Interaktionen (…) die
Verwendung natürlich-komplexer, authentischer Texte
aus dem Alltagsleben, Film, Theater und der Literatur“
essentiell ist (meine Hervorhebung). Christine Nöstlinger
ist eine der wichtigsten österreichischen Autorinnen,
deren Bücher für Kinder und Jugendliche allseits
bekannt und beliebt sind. Ihre liebevoll-ironische Darstellung
der österreichischen, insbesondere der „Wiener
Familie“ lässt sich unter anderem im DaF-Unterricht
sehr vielseitig aufarbeiten. Die Autorin behandelt in
ihren Werken wichtige Themen und Charaktere, die den Leser
zur Identifikation und Reflexion einladen. Außerdem
erlaubt ihr besonderer Stil, das sich, unter anderem,
in der Literarisierung des Wiener Dialekts äußert,
eine interessante Sprachenanalyse und Wortschatzerweiterung
. Andererseits sollte man nicht aus den Augen verlieren,
dass gerade dieser reiche Wortschatz zu Schwierigkeiten
und möglicherweise zu Demotivation der LernerInnen
führen könnte und deshalb womöglich nur
fortgeschrittene und sehr motivierte LernerInnen befassen
möchten.
Da ich die LernerInnen bereits so gut kannte, waren für
mich solche Bedenken unbegründet. Ich wusste, dass
alle LernerInnen sehr „experimentierfreudig“
gegenüber neuen Unterrichtsmethoden waren, dass sie
gern und viel lernten und vor komplexeren „Twxtes
nicht zurückschreckten. Laut Hans- Jürgen Krumm
sollten „Texte ausgewählt werden, die zur Bildung
von Hypothesen, zur Nutzung unserer Lesestrategien herausfordern,
d.h. es muss eine gute Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem
sein (…) . Gretchen Sackmeier eignet sich daher
hervorragend, denn die im Buch behandelten Themen sind
vielseitig und so, dass die LernerInnen sie höchstwahrscheinlich
leicht ihren eigenen Erfahrungen verbinden, bzw. neue
Elemente in ihre Erfahrungswelt einbinden können.
Meine Hoffnung war auch, dass die LernerInnen durch den
Unterricht zum Lesen von österreichischer Literatur,
zur Lektüre in der Zielsprache also ermutigt wären
und sie das Buch womöglich ihre Kinder, ihrem Bekanntenkreis
weiterempfehlen würden.
Meine Ziele lauteten folgendermaßen:
Richtziel: Die LernerInnen sollen anhand des Buches Gretchen
Sackmeier von Christine Nöstlinger inhaltsorientiertes,
analytisches und argumentatives Lesen trainieren.
Feinziel: Die LernerInnen sollen sich intensiv und kreativ
mit einem authentischen Text auseinander setzen. Sie sollen
ihren Wortschatz erweitern und dazu befähigt werden,
Lesestrategien zum Lesen von Texten in der Fremdsprache
zu entwickeln.
Sie sollen ihre Leseflüssigkeit trainieren
Sie sollen durch das Kennen lernen eines neuen Zugangs
zu literarischen Texten der Fremdsprache ihre Scheu vor
diesen verlieren und diese als eine effektive und spannende
Art des Fremdsprachenlernens neu entdecken./ nicht nur
als Quelle von neuem Lernmaterial sondern auch als Quelle
der Freude der Entspannung neu entdecken.
5.4. Stundenplan der ersten Stunde: Was habe ich geplant?
Anmerkung 1: Ich habe diese Stunde für neun LernerInnen
geplant, die in den bisherigen Stunden anwesend waren.
Da das Buch zu lang ist, werden nur einige Passagen besprochen,
die nach ihrem Bezug auf das Hauptthema der Stunde „
Familie“ ausgewählt worden sind.
Thema Zeit ziel Lehrkraft Lerner Medium Sozialform
1. Einstieg: Vorstellen des Themas der Stunde: Lesen.
Fragen an die LernerInnen stellen: Wieviel lest Ihr? Wann,
wo, warum , was lest ihr? Lest ihr gern? U.s.w. 5 Minuten
Die LernerInnen sollen auf das Thema der Stunde eingestimmt
werden und über ihre Leseerfahrungen erzählen.
Der Einstieg ist auch wichtig für mich als LK, um
die Einstellung der LernerInnen zum Lesen überhaupt
besser einschätzen zu können Fragen an die LernerInnen
stellen Fragen der LK beantworten, ihrerseits Fragen an
LK und an LernerInnen stellen Konversation
2. Vorstellen der Autorin, des Titels und des Untertitels:
Warum gerade dieses Buch? Worum könnte es im Buch
gehen? 5 Minuten Die LernerInnen sollen mit einer wichtigen,
zeitgenössischen österreichischen Autorin und
mit ihrem Beitrag zur österreichischen Literatur
bekannt gemacht werden, sowie mit den Gründen, warum
ich gerade dieses Buch gewählt habe. Fragen an die
LernerInnen stellen: Kennt jemand von euch Christine Nöstlinger?
Worum könnte es im Buch gehen? Wer könnte Gretchen
Sackmeier sein? Wie könnte sie ausschauen? Beachtet
den sprechenden Namen) Anschließend den Untertitel
„Eine Familiengeschichte“ angeben und die
erste Textstelle (1.Kapitel des Buches) austeilen. Die
LernerInnen stellen Hypothesen zum Inhalt und zu den Charakteren
des Buches auf und begründen diese. Die Aufstellung
von Hypothesen soll ihre Interesse wecken und sie motivieren,
mehr über das Buch in Erfahrung zu bringen. Tafel
Lerhkraft-LernerInnen-Interaktion
3. Erste Textstelle: erstes Kapitel aus dem Buch Gretchen
Sackmeier 15 Minuten Die LernerInnen sollen mit den weiteren
Charakteren des Buches bekannt gemacht werden und erste
Eindrücke über Stil, Ton des Buches gewinnen.
Hilfestellung: es werden keine leitenden Fragen gestellt,
die LernerInnen werden nur gebeten, die Textstelle aufmerksam
durchzulesen ohne jedes einzelne Wort im Wörterbuch
nachzuschlagen und sich bei Schwierigkeiten an die LK
zu wenden. Die LernerInnen lesen den Text und unterstreichen
eventuell unbekannte Wörter bzw. Sätze, die
sie anschließend in der Gruppe besprechen möchten.
Handout individuell
4. Besprechung der Textstelle 10 Minuten Die LernerInnen
sollen ihre ersten Eindrücke mitteilen. Anschließend
soll der Inhalt genauer diskutiert werden, um ein für
die kommenden Aufgaben wichtiges Wissen über die
Charaktere u.s.w. zu gewinnen Fragen an die Lerner stellen:
Welche Eindruck habt ihr von der Familie? Wie viele Familienmitglieder
gibt es? Was erfahren wir über sie? (Äußeres,
Hobbies etc.) Alle Mitglieder haben einen besonderen Tick?
Welche? Habt ihr ähnliche Ticks? Wie ist die Rollenerteilung
in der Familie? Die Lerner stellen Fragen an die LK, notieren
sich neue Wörter und beantworten Fragen der LK. Tafel,
Lehrkraft-LernerInnen-Interaktion
5. Inhalt des Buches erschließen 5 Minuten Die LernerInnen
sollen nun, nach dem sie die Charaktere des Buches kennen
gelernt haben, den ungefähren Inhalt sowie wichtige
Themen im Buch spielerisch erschließen. Hilfestellung,
Erklären der Aufgabe: Jetzt kennt ihr die Charaktere
der Familie, aber noch nicht den Inhalt. Diesen sollt
ihr in der nächsten Aktivität herausfinden.
Die LernerInnen gehen in Zweiergruppen zusammen und setzen
die in Kuverts auf kleinen Kärtchen befindenden Inhalt
wie einen Puzzle zusammen Kuverts mit Inhalt, die die
LernerInnen in die richtige Reihenfolge setzten sollen
Gruppenarbeit
6. Besprechung und Vergleich der Reihenfolge 5-7 Minuten
Inhaltsorientiertes Leseverstehen soll trainiert werden:
Die LernerInnen sollen ihre Ergebnisse in der Gruppe vergleichen
und dabei Unklarheiten klären. Fragen an die LernerInnen
stellen: Fandet ihr diese Aufgabe schwierig? Was habt
ihr neues über die Familie herausgefunden? Welche
Probleme könnten da angesprochen werden? Wer könnte
die Marie-Luise sein? Welche Rolle könnte sie im
Buch spielen? Fragen der LK beantworten, ihrerseits Fragen
stellen LK-LernerInnen-Interaktion
7. nächste Textstelle lesen 10 Minuten Analytisches
Leseverstehen: Um welches Probleme geht es n dieser Textstelle?
Die LernerInnen sollen anhand der Textstelle mit einem
der Hauptthemen im Buch konfrontiert werden: die Emanzipation
der Frau und die Reaktion der Familie Hilfestellung, „wandelndes
Wörterbuch“ Die LernerInnen lesen die Textstelle,
unterstreichen eventuell Wörter, die sie nicht kennen
und beantworten die Frage. Anschließend sprechen
sie mit einer Partnerin über die Textstelle Handout
Individuell , ansclhileßend Partnerarbeit
8. Besprechung der Textstelle 10 Minuten Die LernerInnen
sollen ihre Ergebnisse der Gruppe mitteilen, ihre Meinung
zum Thema äußern, Wortschatzerweiterung Fragen
an die LernerInnen stellen, die das Verstehen erleichtern
und die Hauptaussage der Textstelle resümieren sollen.
Um welches Problem handelt es sich? Was möchte Gretchens
Mama machen? Wie reagiert der Papa darauf? Die Lernerinnen
beantworten die Frage der LK, schreibe sich neue Wörter
auf. Tafel ,Heft LK.-LernerInnen-Interaktion
9. Lehrbuch em1: Emanzipation der Frau: Interview 10 Minuten
Inhlatsorientiertes Lesen eines Zeitunginterviews, Verbindungen
zum Buch herstellen können. Hilfestellung, Erklären
der Aufgabenstellung. Die LernerInnen lesen einen Interview
im Lehrbuch zum selben Thema durch und unterstreichen
je einen Satz mit dem sie einverstanden und einen mit
dem sie nicht einverstanden sind. Dabei versuchen sie,
Bezüge zwischen diesem und dem zuvor gelesenen Text
und ihrer eigenen Situation herzustellen. Lehrbuch Partner-
oder Kleingruppenarbeit
10. Besprechung 15 MinutenPause:15 Minuten Fragen an die
LernerInnen stellen, Diskussion leiten: Wie ist die Einstellung
in eurem Heimatland zu berufstätigen Frauen? Gibt
es Ähnlichkeiten, Unterschiede zu Österreich?
Findet ihr thematische Parallelen zwischen dem Text und
dem Interview? Fragen der LK beantworten, Wissen über
eigenes Land mitteilen. Konversation
11. Handout: Lückendialog 10 Minuten Die LernerInnen
sollen ihr Wissen um die Charaktere des Buches auf kreative
Weise erweitern. Leseverstehen soll auf spielerische Weise
„geprüft“ werden. Um die folgende Aufgabe
erfüllen zu können, müssen die LernerInnen
auf ihr zuvor erworbenes Wissen über die Charaktere
zurückgreifen, ihre eigenen Hypothesen hineinbringen.
Lückendialog austeilen, Aufgabenstellung erklären,
Hilfestellung geben: Nun kennt ihr Papas Reaktion auf
die Emanzipation der Mama. Wie aber könnten die Kinder
Gretchen und Hänschen dazu eingestellt sein? Ihr
habt hier ein Dialog in dem Gretchens Sätze ausgestrichen
wurden und nur Hänschens Reaktionen zu lesen sind.
Versucht den Dialog in Partnerarbeit zu vervollständigen
Die LernerInnen füllen den Dialog zu zweit aus. Handout
Partnerarbeit
12. Vorlesen der Versionen der LernerInnen und der „richtigen“
Version 10 Minuten Die LernerInnen sollen ihre Hypothesen
mit der Originalversion vergleichen, darüber reflektieren.
LK hört sich Dialogversionen an, korrigiert ev. Fehler
der Aussprache oder schwerwiegendere Grammatikfehler,
leitet Gespräch, liest als Auflösung ursprüngliche
Textstelle vor. Die LernerInnen beantworten Fragen der
LK, lesen zu zweit ihre Versionen vor, vergleichen diese
mit der Originalversion. Handout Partnerarbeit, anschließend
Gruppe
13. Rollenspiel: Talkshow zum Thema: Emanzipation der
Frau: ja oder Nein? (genauere Darstellung des geplanten
Ablaufs siehe Anhang 2) 20 Minuten Freies, argumentatives
Sprechen soll anhand des zuvor angeeigneten Wissens zu
einem bestimmten Thema geübt werden: Meinung ausdrücken,
Sprechakte wie Verneinung Zustimmung, Verärgerung,
Unsicherheit, Befürchtung etc. üben, bzw. wiederholen
Ablauf erklären, Formeln der Meinungsäußerung
wiederholen bzw. neue dazu sagen auf die Tafel und in
die Hefte schreiben. Rollenverteilung erklären Verschiedene
Rollen aus der Familie Sackmeier übernehmen, 5 Argumente
zur jeweiligen Rolle überlegen, Rolle vorbereiten
Papierstreifen mit Rolle und Zitat drauf Gruppenarbeit:
Talk-Show
Besprechung des Rollenspiels: Zu was für einer Lösung
kommen wir? Ev. Gemeinsame Fehleranalyse 10 Minuten Die
LernerInnen sollen hier noch einmal die Möglichkeit
haben, ihre Meinung zu den bisherigen Textstellen zu äußern
und dabei zusammen Vorschläge zur Lösung des
Familienproblems überlegen. Fragen an die LernerInnen,
Gespräch leiten Lösungsstrategien vorschlagen,
Meinung zum Text äußern Konversation
HÜ (siehe Anmerkung 2) 5 Minuten Die LernerInnen
sollen zwischen verschieden en Vorschlägen zu einer
schriftlichen HÜ wählen. HÜ erklären
Notizen machen, Fragen stellen Tafel individuell, schriftlich
zu Hause
Anmerkung 2: Rollenspiel
Vorbereitung: verschiedene Formeln der Meinungsäußerung
wiederholen, bzw. neue dazulernen. Die LernerInnen sollen
auch auf das Register aufmerksam gemacht werden (wann
verwendet man was, mit wem und wo?). Mein Ziel war es,
die LernerInnen zu befähigen, sich ausgewählter
und situations- und registergerechter auszudrücken
sowie Ihnen die Möglichkeit lassen, aus einem Reservoir
an Formeln zu wählen.
Die LernerInnen sollen folgende Ausdrüce lernen,
bzw. wiederholen:
Ich glaube, meine, denke, finde, dass…
Meiner Meinung nach/ Meiner Ansicht nach/ meines Erachtens
Ich glaube nicht/ ich bin nicht sicher, ob…
Ganz und gar nicht!
Ich glaube, ich muss Ihnen da widersprechen…
Ich bin nicht ganz einverstanden mit dem was Sie sagen…
Ich kann mich Ihrer Meinung nicht anschließen
Erlauben Sie mir Ihnen zu widersprechen
Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche…
Verzeihen Sie, wenn ich Sie unterbreche…
Ich möchte betonen, dass
Ich betone, dass
Es ist mir wichtig, Ihnen zu sagen, dass…
Einerseits…andererseits
Erstens…zweitens…drittens…viertens…
Zwar…aber
2. Rollenverteilung: (Zitate aus Sekundärliteratur)
Die LernerInnen ziehen einen Papierstreifen, auf dem ihre
Rolle (z.B. Papa Sackmeier) und ein Zitat aus dem Buch
steht, der die Suche nach passenden Argumenten erleichtern
sollte. Dann überlegen sie sich jeweils 5 Argumente
die zum jeweiligen Charakter passen und in dem sie versuchen,
so nah am Text zu bleiben wie möglich. Dennoch können
sie ermutigt werden, auch ihre eigenen Argumente hineinzubringen.
Dazu müssen sie ihr Vorwissen aktivieren und noch
einmal ihre Eindrücke beim Lesen reviedieren. Das
soll die Rezeption des Textes verlangsamen und die Aufnahme
intensiver macht. Die LernerInnen schreiben ihre Argumente
auf, wozu sie 5 bis 10 Minuten zur Verfügung haben.
Bei der Rolle des Talk-Show-Leiters wollte ich mich noch
nicht festlegen. Ob diesen ich oder einer der Lerner übernehmen
sollte, würde von der Zahl der an diesem Tag anwesenden
Lerner abhängen.
Nun sollte das Rollenspiel in der Form einer Talk-Show
stattfinden, in dem jede und jeder zum sprechen kommt.
Vorteil des Rollenspieles ist , dass es wichtige Fertigkeiten,
wie Fragen stellen und beantworten, die eigene Meinung,
Zustimmung, Verärgerung ausdrücken u.s.w. in
sich vereint. Außerdem können sich die LernerInnen
in verschiedene Rollen hineinversetzen und so eine mögliche
Scheu, in der Fremdsprache zu sprechen leichter ablegen.
Jeder und jede muss zu Wort kommen.
Nach der Diskussion sollen gemeinsam Lösungen für
die einzelnen Familienmitglieder überlegt und Ratschläge
erteilt werden. (z.B. X sollte/könnte/müsste´….
Wenn ich X wäre, würde ich…An der Stelle
von Y würde ich….) Die Stunde soll mit abschließenden
Fragen an die LernerInnen zum Text (z.B. Wie habt ihr
diesen Text gemocht? Würdet ihr ihn lesen? Weiterempfehlen?)
beendet werden.
Anmerkung 3: Hausübung
- Stell Dir vor Marie-Luise, die Freundin der Mama Sackmeier
schreibt an Papa Sackmeier ein e-mail, in dem sie ihn
über sein Unrecht überzeugen will. Außerdem
erteilt sie ihm Ratschläge, wie er mit der Emanzipation
seiner Frau besser umgehen könnte. Was könnte
sie schreiben? Wie könnte sie argumentieren? Wie
wird der Ton des e-mails sein? (kämpferisch? Bittend-besänftigend?
Ironisch?)
- Stell Dir vor, Mama Sackmeier und Marie-Luise treffen
sich in einem Kaffee, um über Ehegatten, Kinder und
Schwiegermütter zu reden? Verfasse einen Dialog.
- Stell Dir vor, Mama Sackmeier schreibt Tagebuch. Beschreibe
aus ihrer Seicht einen Tag in der Familie Sackmeier. Wie
ist ihr Tagesablauf? Worauf muss sie alles achten?
5.5. Ablauf der ersten selbständig durchgeführten
Stunde: Was ist tatsächlich passiert?
Meine erste Stunde ist sehr gut und lehrreich verlaufen.
Meine erste lektin war eine bessere Zeiteinteilung. Was
ich in dieser Stunde verstanden habe, ist, dass die LernerInnen
oft mehr Zeit brauchen, als dies vorgesehen war. So habe
ich, von einer Angst ausgehend, ich hätte nicht genug
Material oder Ideen haben um die 180 Minuten zu füllen,
zuviel vorbereitet. Nur in der Stunde selbst bin ich draufgekommen,
dass die LernerInnen mehr Zeit brauchen, um stressfrei
und produktiv die Aufgabenstellungen erfüllen zu
können. Aus den vorgesehenen 10 Minuten zum Lesen
wurden leicht 15, aus den 15 zur Konversation 20. Ich
wollte die LernerInnen auch nicht drängen, schneller
zu lesen oder sie bei Ihrem Beitrag unterbrechen, da ich
selber gemerkt habe, wie angenehm und motivierend es ist,
wenn sowohl Lernerinnen und auch die Lehrkraft genug Zeit
haben, um stressfrei das jeweilige Thema ausführlich
zu besprechen und es womöglich weiter als geplant
auszuloten. Man muss in der Stunde Prioritäten setzten
und auf geplante Themen verzichten ohne jedoch das Grobziel
( in diesem Fall Leseverstehen eines authentischen Textes)
aus den Augen zu verlieren. So habe ich letztendlich auf
das Lehrbuch-Teil vollkommen verzichtet, weil ich gesehen
habe, dass die LernerInnen an den Textpssagen aus Gretchen
Sackmeier, obwohl sie ihn für einen schwierigeren
Text halten, sehr viel Spaß hätten und sich
eingehend damit beschäftigen wollten. Auf ihren Wunsch
bin ich genauer auf das außergewöhnliche Vokabular
von Christine Nöstlinger eingegangen und die Lernerinnen
für den ungewöhnlichen Stil der Autorin, Dialekt
zur Literatursprache zu machen, sensibilisiert, sowie
für die implizite Haltung des Erzählers, die
sich hie und da zu erkennen gibt. Hierbei ist es mir noch
bewusster geworden, wie wichtig ein großes Sprachgefühl,
d.h. das Wissen um das Reichtum der Sprache, um Synonyme,
Nuancen, bestimmte Ausdrucksweisen und ihre implizite
Botschaft, was das Register betrifft ist. Die Lernerinnen
waren keineswegs , wie ich anfänglich befürchtet
habe, durch solche Informationen überfordert, sondern
baten ausdrücklich um diese. - An dieser Stelle beschloss
ich, auf dieses lebhafte Interesse der LernerInnen einzugehen
und mich in meiner nächsten Stunde noch mehr auf
Wortschatzerweiterung zu konzentrieren,.
Bei den Konversationen waren die LernerInnen ebenfalls
sehr aktiv und teilten gern ihre Meinung mit. Ihrer regen
Teilnahme ist es zu verdanken, dass diese Gespräche
sehr bereichernd und für jedermann aufschlussreich
wurden: Wir haben mehr über einander, über unsere
jetzigen und früheren Einstellungen erfahren, und
sogar persönliche Anekdoten erzählt. Hierbei
halte ich es für wichtig, dass die Lehrkraft ein
gewisses Feingefühl dafür entwickelt, wer worüber
wie viel und wie gern spricht, die LernerInnen also als
Individuen sieht, und ihre Art der Mitarbeit respektiert.
So redete eine Lernerin zwar deutlich weniger als ihre
Kollegen in der Stunde, brachte aber die Hausübungen
stets pünktlich und, wie ich von der Betreuungslehrerin
erfuhr, auch mit Erfolg.
Die Stunde verlief sehr gut und es kam zu keinerlei Komplikationen.
Nur einmal kam es zu einem kleinen Missverständnis,
weil eine Lernerin die Aufgabenstellung nicht genau verstanden
hatte. Nicht jeder Lerner und jede Lernerin versteht gleich
schnell. So kann es zu Missverständnissen kommen,
die sich aber leicht vermeiden lassen, wenn die Aufgabenstellungen
von vornherein mehrmals erklärt werden, damit kein
Zweifel besteht, dass alle diese verstanden haben. Nach
anfänglichen Unsicherheiten beim Lückendialog
meisterten die Lernerinnen diese Aufgabe sehr gut. Eine
besondere Überraschung für mich war, dass einige
von ihnen den in Zweiergruppen vervollständigten
Dialog nicht nur vorliesen, sondern auch schauspielerisch
darstellten und so ihrer Version zusätzlich Lebendigkeit
und Überzeugungskraft verliehen. Beim Verglich der
Dialoge der LernerInnen und der Originalstelle stellten
wir mit Freude fest, dass diese sich in den meisten Fällen
überraschend ähnelten. Für mich war das
ein wichtiges Feedback, dass die LernerInnen dank ihres
beim Lesen und in den Besprechungen gewonnenem Wissen
die Reaktionen der Charaktere richtig einschätzen
und Leerstellen kreativ und folgerichtig füllen konnten.
Wie habe ich mich als Lehrkraft gefühlt?
Ich kann mit Freude sagen, dass ich mich in dieser - noch
zweifellos etwas ungewohnten - Rolle überraschend
gut, ja selbstsicher fühlte. Meine anfänglichen
Bedenken, zu wenig oder nicht Interessantes genug vorbereitet
zu haben, hat sich nicht bestätigt, im Gegenteil.
Ich konnte im Unterricht für zahlreiche „Aha-Erlebnisse“
bei den LernerInnen sorgen, z.B. bei den sprechenden Namen
und hatte das Gefühl, ihnen Wissenswertes und Interessantes
übermittelt zu haben. Durch ihre Reaktion und lebhafte
Mitarbeit haben mir die LernerInnen gezeigt, dass sie
den neuen Zugang zum literarischen Text zwar etwas schwierig,
doch gerade deshalb auch sehr gut und effizient fanden.
Sie fassten die Authentizität von diesem als Herausforderung
und nicht las Entmutigung oder gar als Grund für
Demotivation und Mutlosigkeit auf.
Ich traf also in meiner ersten Stunde auf eine Aufmerksamkeit
und Lernbereitschaft der LernerInnen, die sich jede LK
nur wünschen kann. Ich habe in diesen 180 Minuten
sehr viel verstanden, was ich bisher nur in der Theorie
las. Ich habe verstanden, dass man als Lehrkraft vor allem
Flexibilität und Spontaneität braucht, um sich
an die LernerInnen und ihrem Tempo anpassen und in der
Stunde entscheiden zu können, was man eventuell reduzieren
oder weglassen könnte, ohne dass die Stunde an Kohärenz
und Übersichtlichkeit einbüße. Die Lehrkraft
soll zwar die Stunde stets gut planen, doch sind es letztendlich
die LernerInnen, die die Stunde bestimmen.
(Was nahm ich mir für die nächste Stunde vor?
Ich wollte
- langsamer und deutlicher sprechen
- mehr mit Wortschatz, Register und Ausdruck arbeiten
- gezielter landeskundlich arbeiten)
Im Folgenden soll der Plan, wie ich ihn ursprünglich
vorgesehen habe, dargestellt werden.
5.6. Stundenplan der zweiten selbständig durchgeführten
Stunde
Anmerkung: Auch in dieser Stunde sollte das Buch Gretchen
Sackmeier behandelt werden, jedoch mit einem anderen Themenschwerpunkt,
nähmlich das Essverhalten der Familie. Das Buch ist
in der letzte Stunde gut angekommen, die LernerInnen zeigten
sich bereit,sich auch weiterhin mit diesem zu beschäftigen.
Sie waren nun mit den Charakteren bereits vertraut, was
einen persönlicheren Zugang um Thema erlaubt.
Thema Zeit Ziel LK Lerner Medium Sozialform
1. Einstieg: Essverhalten der LernerInnen 5 Minuten Einstimmen
der LernerInnen auf das Hauptthema der Stunde, um ihnen
den Übergang zum Text zu erleichtern. Fragen an die
LernerInnen stellen: Wieviele Mahlzeiten nehmt ihr zu
euch? Um wie viel Uhr? Alleine? In der Kantine? Am Tisch
oder stehend? Etc. Fragen der LK beantworten, ihrerseits
Fragen stellen Konversation
2. Textstelle: Essverhalten der Familie Sackmeier 10 Minuten
Suchendes Lesen, Wortchatzerweiterung Textstelle austeilen
und Arbeitsanweisungen geben: Unterstreicht bitte alle
Wörter (Nomen, Adjektive ..), die mit Essen zu tun
haben. Überlegt auch, um welche Geschmacksrichtung
und welche Mahlzeit es sich dabei handeln. Könnte.
Wiederholung der Geschmacksrichtungen und der Namen von
den Hauptmahlzeiten an der Tafel. Text lesen und Wörter
unterstreichen Handout Zuerst in der Gruppe, dann individuell
3. Besprechung der Textstelle 10 Minuten Die LernerInnen
sollen neue Vokabeln lernen und mit Hilfe der LK auf die
implizite Bedeutung der Nahrungmittel für die Entwicklung
der Charaktere sensibilisiert werden. Sie sollen also
sowohl einen sprachlichen als auch einen literarischen
Zugang zum Text haben Die LK bespricht unbekannte Wörter,
macht auf andere aufmerksam, stellt mit den LernerInnen
Zusammenhänge zwischen den Wörtern her, sagt
Synonyme, erklärt sie durch Beispiele oder graphisch
an der Tafel, schreibt neue Wörter auf . Hilft den
Lernern durch gezielte Fragen den Text aus einer anderen
Perspektive zu lesen: Was und wie essen die unterschiedlichen
Charaktere? Was sagt das über sie aus? Welchen Vokabulars
bedient sich die Autorin und was könnte sie damit
sagen wollen? Die LernerInnen fragen unbekannte Vokabel
nach, leiten andere Wörter mit Hilfe der LK ab, arbeiten
zusammen an der Interpretation des Textes mit. Handout
LK-LernerInnen-interaktion
4. Diskussion: gesund essen 10 Minuten Die LernerInnen
sollen das Essverhalten der Charaktere analysieren, ihre
Meinung begründen, mit ihrem eigenen Essverhalten
vergleichen, über ihre Erfahrungen mit österreichischem
Essen sprechen. Die Textstelle soll möglichst mit
Persönlichem assoziiert werden, unbekannte Vokabeln
mit Anekdoten verbunden und so leichter angeeignet werden.
LK stellt Fragen an die Lernerinnen, leitet Diskussion
über gesundes Essen, österreichische Küche,
initiiert interkulturellen Austausch über Essen.
LernerInnen beantworten Fragen der LK; diskutieren über
das Essverhalten der Charaktere, sagen ihre Meinung darüber,
diskutieren miteinander, indem sie die in der Stunde davor
gelernten Ausdrucksformeln der Meinungsäußerung
(siehe Anmerkung 2) anwenden. Diskussion
5. Handout mit neuen Ausdrücken aus dem Bereich des
Essens (siehe Anhang) 10 Minuten Die LernerInnen sollen
ihren Wortschatz anhand des Buches erweitern, d.h. mit
idiomatischen Ausdrücken aus dem Tier- und Essbereich
bekannt gemacht werden. Die Lehrkraft teilt Handout aus
und erklärt Aufgabenstellung, Hilfestellung Die LernerInnen
versuchen, unterstrichene Ausdrücke zu verstehen
und mit ihren eigene Worten zu umschreiben. Handout In
Partnerarbeit
6. Besprechung des Handouts 10 Minuten Die LernerInnen
sollen nicht Verstandenes klären. Außerdem
soll ein Vergleich zwischen den Sprachen stattfinden und
mögliche Gemeinsamkeiten, Unterschiede idiomatischer
Ausdrücke aufgezeigt werden. Fragen an die LernerInnen
stellen: Mit welchen Tieren werden die Charaktere verglichen?
Warum? Welche Assoziationen werden geweckt? Gibt es in
eurer Sprache ähnliche Ausdrücke? Wodurch unterscheiden
sie sich? Die LernerInnen reflektieren über eigene
Sprache und setzen diese in Verbindung zur deutschen Sprache.
Schreiben sich neue Wörter in das Vokabelheft. Tafel,
Heft LK-Lerner-Interaktion
7. Handout: Übergewicht 10 Minuten Die LernerInnen
sollen Aussagen aus dem Text anhand ihres Vorwissens über
die Figuren zuordnen. Leseverständnis soll auf spielerische
Weise gesichert werden. Aufgabenstellung den LernerInnen
erklären: Ein weiteres wichtiges Thema im Buch ist
das Thema Übergewicht und Gesellschaft. Liest euch
die folgenden Gesprächsfetzen durch und überlegt
auch bitte, wer was gesagt haben könnte? Warum glaubt
ihr das? Die LernerInnen versuchen Gesprächsfetzen
zuzuordnen. Handout Partnerarbeit
8. Besprechung 15 Minuten Wortschatzerweiterung, über
die mögliche Intention des Erzählers nachdenken,
intensives, aufmerksames und hinterfragendes Lesen trainieren.
Unbekannte Wörter aufschreiben, mit den Lernerinnen
gemeinsam Synoyme sammeln, Fragen an die LernerInnen stellen:
Welcher Charakter ist wie zum Übergewicht eingestellt?
Mit wem von ihnen könnt ihr euch am meisten identifizieren?
Warum? Warum könnte Christine Nöstlinger dieses
Thema gerade in einem Jugendbuch ansprechen? Fragen der
LK beantworten, Vorwissen aktivieren Handout Lehrkraft-Lernerinnen-Interaktion
9. Interkulturelles Lernen: das Schönheitsideal in
meinem Land 10 Minuten Die LernerInnen sollen ihre Meinung
zu einem bestimmten Thema mitteilen, über die Bräuche
anderer Länder erfahren. Freies Sprechen soll geübt
werden. Gespräch leiten, Fragen stellen: Wie ist
das Schönheitsideal in deinem Land? Von wem wird
er bestimmt? Hat es sich im Laufe der Jahre verändert?
Gibt es Gemeinsamkeiten, Unterschiede zu Österreich?
Fragen der LK beantworten, ihrerseits Fragen stellen.
Konversation
10. Zeitungsausschnitt: Interview aus dem Woman-Magazin:
Thema: Prominente zum GEwichtsproblem 15 Minuten Die Lerner
sollen, die Einstellung der Charaktere zum Gewicht mit
einem aktuellen Interview vergleichen? Ist da Buch wirklichkeitsfremd
oder spricht es reale Probleme an? Die Lerner sollen 5
Sätze die ihnen wichtig erscheinen untersteichen
und darüber reflektieren. Text austeilen, Lerner
darauf aufmerksam machen, dass sie nicht jedes Wort verstehe
müssen und lediglich die Botschaft des Artikels verstehe
sollten. Hilfestellung Text lesen, Aufgabenstellung erfüllen.
Handout Individuell, dann mit Partner
11. Besprechung des Zeitungsartikels 10 Minuten Die LernerInnen
sollen ihre Meinung zum Thema mitteilen, darüber
diskutieren. Freies Sprechen soll geübt werden. Unbekannte
Wörter klären, Fragen an die LernerInnen stellen:
welche Sätze habt ihr unterstrichen, warum? Mit wem
könnt ihr euch am besten identifizieren? Fragen beantworten,
Wörter ins Heft schreiben. LK-Lerner-Interaktion
12. Rollenspiel: Talk-Show zum Thema: Übergewicht
und Schönheitsoperationen 20 Minuten Die Lernerinnen
sollen sich entweder mit einem der Prominenten des Zeitungsartikels
oder mit einem der Mitglieder der Sackmeier-Sippe identifizieren,
Argumente zum Thema aufschreiben, argumentatives Sprechen
soll geübt werden. Aufgabenstellung erklären,
Hilfestellung, dann Rolle der Talk-Show-Leiterin übernehmen.
Mit den zuvor aufgestellten Argumenten die anderen von
der eigenen Meinung zu überzeugen versuchen. Diskussion
13. Abschließende Gedanken: Feedbackfragen beantworten
15 Minuten Die Lernerinnen sollen mit der LK abschließend
über das Buch Gretchen Sackmeier sprechen, Hypothesen
über den möglichen Ausgang der Geschichte aufstellen,
ihre Meinungen über den Text äußern. Zum
Schluss sollen die LernerInnen ihre Meinung über
Stundenaufbau, LK u.s.w. schriftlich verfassen. Gespräch
leiten: Fragen an die LernerInnen stellen: Was habe ich
in der Stunde gemocht? Was habe ich nicht gemocht? Was
habe ich vermisst? Was hätte ich noch gern gemacht?
Die Lernerinnen bitten, soviel wie möglich zu kritisieren.
Die Lernerinnen füllen den Feed-back-Bogen aus.
5.7. Ablauf der zweiten, selbständig durchgeführten
Stunde: Was ist tatsächlich passiert?
(Anmerkung: In dieser Stunde waren nur die weiblichen
Lernende anwesend, deshalb wird im Folgendem stets mit
„Lernerinnen“ auf sie verwiesen.)
Auch in der zweiten Stunde hat sich gezeigt, dass ich
zuviel vorbereitet habe. So ist es zum Rollenspiel aufgrund
der mangelnden Zeit nicht mehr gekommen. Auch habe ich
es in der Stunde für besser gehalten, den Lernerinnen
mehr Zeit als vorgesehen zu geben und dafür auf das
Interview im Woman - Magazin zu verzichten, damit nicht
das Gefühl von “gehetzt sein“ aufkommt.
Sonst ging alles, wie in der ersten Stunde nach Plan und
es kam zu keinen Komplikationen, Missverständnissen.
So hatte ich Gelegenheit, die Lernerinnen ausführlich
zu ihren Meinungen zum Ablauf der Stunde, zu den Unterrichtsaktivitäten,
zu mir als Lehrkraft zu befragen. Ich bat sie 4 Fragen
schriftlich zu beantworten, auf welcher Sprache sie wollten:
Ich bat sie auch, mir soviel an Kritik und Verbesserungsvorschlägen
zu geben wie möglich, damit ich aus ihnen lernen
und sie in meiner späteren Lehrlaufbahn vermeiden
könnte. Im Folgendem möchte ich auf die positiven
und negativen Bemerkungen der Lernerinnen eingehen und
die abgelaufene Stunde auf diese Weise eingehend reflektieren.
Erste Frage: Was habe ich in der Stunde besonders gemocht?
Alle Lernerinnen schienen die von mir durchgeführten
Stunden, sowie die Stimmung die ich vermittelt habe, gemocht
zu haben: „Wir haben viel gelacht“ oder „Flora
hat gute Beziehung zu den Studenten“: Ich hätte
alle ins Gespräch einbezogen und aufgepasst, dass
jeder und jede gleicher Maßen zu Wort kommt.
Fünf der sieben Lernerinnen lobten die Tatsache,
dass ich die 180 Minuten maximal genützt habe und
es keine „tote Zeit“ gab. Tatsächlich
musste ich eine der Lernerinnen während einer Konversation
bitten, ihren Beitrag zu verkürzen, da sie eigentlich
nicht zum Thema sprach und zu sehr davon abzudriften drohte.
Mir fiel es nicht leicht sie zu unterbrechen, aber hielt
es dennoch für notwendig, um im Stoff weiterzukommen
und das Lernziel so weit wie möglich zu erreichen.
So entschuldigte ich mich bei ihr für meine Strenge
und erklärte ihr und ihren Kolleginnen, dass wir
noch viel Stoff durchzumachen hätten, unsere Zeit
jedoch begrenzt sei. Ihre Reaktion war überraschend
positiv und verständnsivoll. Sie gab mir recht und
entschuldigte sich. Auch die andren schienen mir für
diese Emahnung dankbar: „Ich fühle, wir haben
die Zeit sehr gut benutzt [sic]“ –so eine
Lernerin, „ Du hast uns unterbrochen, wenn wir gingen
entfernt von Thema. Das ist am besten für uns. Wirklich!“
(wörtliches Zitat einer Lernerin). So hatten wir
auch tatsächlich genügend Zeit, den Großteil
des von mir geplanten Stoffes gemeinsam zu besprechen.
Besonderen Augenmerk legte ich in dieser Stunde auf Wortschatzerweiterung,
auch als Reaktion auf die Bitte der Lernerinnen aus der
letzten Stunde. Hier traf besonders das Handout mit den
„tierischen“ Ausdrücken sowie die Ausdrücke
mit Essen auf großen Zuspruch. Es fand in der Gruppe
ein Vergleich der zahlreichen Sprachen der Lernerinnen
statt, was zur Bereicherung und Amüsement aller beitrug.
So habe ich beispielsweise erfahren, dass der deutsche
Ausdruck „stur wie ein Esel“, und bei Christina
Nöstlinger „stur wie ein Bock“ auf Philipinisch
in “stur wie ein Kochtopf“ ihre Entsprechung
findet. Diese menschliche Eigenschaft wird also nicht
mit einem Tier, sondern mit einem Gegenstand in Verbindung
gebracht. In allen anderen Sprachen der Lernerinnen ließ
sich eine deutliche Nähe zum deutschen Ausdruck finden,
wobei in Spanien die Kuh für die Sturheit herhalten
muss. Diese Vergleiche machten den Lernerinnen auch deutlich,
dass es zwischen den Sprachen viele Gemeinsamkeiten gibt
und auch die Fremdsprache Deutsch einiges an Bekanntem
und aus der eigenen Muttersprache Vertrautem enthält.
Ebenfalls wichtig erschien mir ein Vergleich zwischen
dem „deutschen“ Deutsch und dem „österreichischem“
Deutsch. Wie mir zwei Lernerinnen in der Stunde davor
anvertrauten, hatten sie vor, nach Deutschland zu fahren.
So hielt ich es durchaus für angebracht, das Thema
„Essen“ für einen solchen Vergleich zu
nutzen und die Lernerinnen mit den zahlreichen Unterschieden
zwischen den beiden Versionen des Deutschen ( z.B. Kartoffeln
und Erdäpfel, Tomaten und Paradeiser, Pfannkuchen
und Palatschinken u.s.w.) vertraut und sie auch der Vielseitigkeit
der deutschen Sprache bewusst zu machen. So wurden sie
auch sensibilisiert, ihrerseits Vergleiche zwischen den
Sprachen anzustellen, Wörter bewusster zu lernen
und sogenannte Eselsbrücken zu bauen, die das Integrieren
neuer Wörter nicht nur wesentlich erleichtert sondern
es vor allem interessanter und spannender macht. Wie mehrere
Lernerinnen schrieben, fanden sie diese- für sie
neue – Art der Wortschatzerweiterung „intensiv“,
„reich“, und sogar „wertvoll“.
Was mir eine besondere Freude bereitet hat, war die Tatsache,
dass ich mein Grobziel erreicht habe. Die Lernerinnen
reagierten sehr positiv auf das Lesen eines authentischen
Textes. Sie fanden Gretchen Sackmeier sehr gut und interessant
und empfanden es keineswegs als langweilig oder einseitig,
das Buch in zwei aufeinander folgenden Stunden zu behandeln.
Wie sie sagten, war es für sie das erste Mal, dass
sie ein österreichisches Buch, praktisch ohne Wörterbuch
lasen und auch verstanden. Viele zeigten die Textstellen
sogar zu Hause; Der Unterrichtsstoff wurde also sogar
zu einem Gesprächsstoff in der Familie. Ihre Interesse
und ihre Motivation, auch weiterhin mehr zu lesen äußerte
sich in der Bitte, weitere österreichische Bücher
von mir empfohlen zu bekommen – was ich denn auch
mit Begeisterung tat. Aus ihren Kommentaren schloss ich,
dass ich den Erwartungs- und Erfahrungsniveau der Lernerinnen
sowie ihr Sprachniveau richtig eingeschätzt habe:
Das Buch war ja nicht zu schwierig, um demotivierend zu
wirken, es war jedoch auch nicht zu einfach, sodass sich
die Lernerinnen herausgefordert fühlten: Man soll
ja als Lehrkraft stets versuchen, die „via regia“
zwischen diesen beiden Extremen finden zu: die LernerInnen
aus-aber nicht überbelasten.
Gut fanden die Lernerinnen auch den Aufbau der Stunden.
Vor allem eine Lernerin, die ebenfalls eine pädagogische
Ausbildung als Lehrerin hat, lobte die Tatsache, dass
die Aktivitäten sich logisch aufeinander bezogen
und ihre Abfolge so war, d |